Karfreitag: Passion

„Einfach mal ich selber sein“ – so ist das Motto der diesjährigen Fastenimpulse für Männer.

„Schwierig mal ich selber sein“ – so möchte ich diesen Impuls starten.

Heute ist Karfreitag – nicht eben der beliebteste Tag der Karwoche – es wird dunkel, ganz dunkel!
Es ist der Tag, an dem Themen wie Sünde, Schuld, Sühne in den Blickpunkt treten.

Ja, ich weiß: Diese Fragen wurden (zu!!?) oft moralisch missbraucht und religiös unlauter benutzt, um Menschen kleinzumachen, sich über sie zu erheben.

Aber schlechte Antworten machen gute Fragen noch nicht obsolet, weil die guten Fragen ja Bestandteile unseres Lebens bleiben: Wenn wir wir selber sein wollen, wenn es darum geht, unseren inneren Kompass auszurichten, wenn wir Gefühle und Sehnsüchte entdecken und zu ihnen stehen wollen, wer käme an den Fragen von Scheitern und Schuldigwerden vorbei?

Vielleicht hilft es, dass aus der Osternacht schon die Lesung der Genesis herüberstrahlt: Wir sind Ebenbild Gottes und wir sind gut, so wie wir sind – das ist die unmissverständliche Aussage des Schöpfungsberichtes. Eine Würde ist uns eigen, die nicht verdient werden muss und daher nicht verloren gehen kann – eben auch nicht im Scheitern und Schuldigwerden.

Reinhard Sandbothe / pixelio.de

Reinhard Sandbothe / pixelio.de

Ich erinnere mich an Situationen, in denen ich um Entschuldigung bitten musste und gebeten habe – es ist schon ein enormes Risiko: Die Flanken sind offen, die Tore hoch, ich könnte von dem, den ich um Entschuldigung bitte, hart getroffen werden. Glücklicherweise durfte ich zumeist die Erfahrung machen, dass mir der/die andere entgegenkam und Versöhnung möglich wurde – natürlich nicht immer sofort oder ganz. Und wenngleich das oft unsicher und zaghaft geschah, führt es doch dazu, dass ich wachse, dass ich meinem Gefühl, dass das Risiko der Entschuldigung das Richtige war, nachgegeben habe. Ich kann dann Mensch sein – mit Fehlern. Das zu sehen ist nicht einfach – ich will hier nichts schönreden – es ist und bleibt schwierig. Viel schwieriger erscheint es mir aber, die Maskerade aufrecht zu erhalten, ich sei fehlerlos, perfekt; anstrengender ist es, Fehler zu vertuschen, andere für meine Fehler verantwortlich zu machen…

Und: Die „Perfektionsmaskerade“ hat einen schlimmen Effekt: Sie macht nahe Beziehungen fast unmöglich. Oder finden Sie Freunde, wo aller fehlerlos sein wollen (im Aussehen, bei der Arbeit, in der Familie)?
Versöhnung, die das Zugeständnis braucht „Ich habe einen Fehler gemacht!“, dagegen ist eine der größten Beziehungserfahrungen, die Menschen machen können!

Zum Nachlesen: Joh 18,1 – 19,42

Zum Nachschauen:
Es gibt einige Filme, die ich Ihnen empfehlen möchte, die sich mit den „Themen des Karfreitags“ auseinandersetzen: Schuldig werden/Vergeben. Allen ist gemeinsam, dass es nicht einfach ist, aber Perspektiven eröffnet; Perspektiven ganz unterschiedlicher Art…

Dead Man Walking  (1998; Regie: Tim Robbins; Darsteller: Susan Sarandon, Sean Penn, Robert Prosky, Raymond J. Barry, R. Lee Ermey)
Am Sonntag bist du tot (2014; Regie  John Michael McDonagh; Darsteller: Brendan Gleeson, Chris O’Dowd, Kelly Reilly, Aidan Gillen, Dylan Moran)
Gran Torino (2008; Regie: Clint Eastwood; Darsteller: Clint Eastwood, Bee Vang, Geraldine Hughes, Brian Haley, Michael E. Kurowski)
Troubled Water (2008; Regie: Erik Poppe; Darsteller: Pål Sverre Valheim Hagen, Ellen Dorrit Petersen, Trine Dyrholm, Trond Espen Seim, Terje Strømdahl)

Text: Stephan Trillmich