Ostermontag: Emmaus-Jünger

(c) A. Heek

(c) A. Heek

In manchen Gegenden gibt es noch die Gewohnheit des Osterspazierganges. Sich zu zweit auf den Weg machen. Sich unterhalten über dies und das. Und über Wichtiges, Wesentliches. Über Tod und Auferstehung – wie die Jünger auf dem Weg nach Emmaus aus dem Lukasevangelium (LK 24, 13-35) –  also übers Hier und Jetzt.

„Haben wir als Paar noch genug Nähe, die Wärme in unsere Beziehung bringt?“
„Was ist eigentlich mit der Kleinen los? Sie ist in letzter Zeit so komisch geworden.“
„In letzter Zeit bin ich so niedergeschlagen. Hast Du eine Erklärung dafür?“
„Was mich richtig sauer macht ist, dass Du nicht Bescheid sagst, wenn Du von der Arbeit später nach Hause kommst.“

Ja tatsächlich, das sind Gespräche über Tod und Auferstehung! Eigentlich geht es immer um Leben und Tod, wenn wir unser Leben betrachten. Es geht letztlich darum: Was in meinem Leben ist tot oder droht zu sterben? Und was oder wer kann mir helfen, dass das Tote wieder lebendig wird? Das sind die entscheidenden Fragen des Emmaus von heute.

Oftmals scheuen wir solche Gespräche, weil sie von uns etwas verlangen: nämlich eine gewisse Distanz zu uns selbst. Nicht dass wir uns innerlich als vollständig und total okay empfinden würden, aber tatsächlich von unseren Ungereimtheiten zurückzutreten und uns kritisch zu hinterfragen bzw. hinterfragen zu lassen, das fordert doch einiges an Selbstüberwindung.

Aber wirklich wahr: im Gehen – und dann noch in der Natur, vielleicht in einem Wald sogar, in dem viele Bäume dort viel länger stehen, als es uns möglich ist zu leben – kann vieles geschehen. Die Relativität der eigenen Wichtigkeit zu erkennen hilft tatsächlich, gesprächsfähig zu werden.

Und dann: tief die frische Frühlingsluft einatmen, den Regen auf der Haut spüren, die Wärme der Hand meiner Partnerin fühlen, ein liebevolles Lächeln schenken, ein passender, humorvoller Kommentar, und schon feiern wir Ostern.

„Manchmal feiern wir mitten im Wort ein Fest der Auferstehung. Stunden werden eingeschmolzen und ein Glück ist da.“ (Alois Albrecht).

Frohe Ostern!

Zum Nachlesen: Lukas 24,13-35

Text: Andreas Heek