Gründonnerstag: Fußwaschung

Gibt mir einen reinen Sinn – dass ich dich erblicke,
einen demütigen Sinn – dass ich dich höre,
einen liebenden Sinn – dass ich dir diene,
einen gläubigen Sinn – dass ich in dir bleibe.
Dag Hammarskjöld

Hans Heindl  / pixelio.de

Hans Heindl / pixelio.de

Was für ein eigenartiger Türsteher versperrt mir den Zugang zum Gründonnerstag? Eine gebückte Haltung, ein barmherziger Blick aber eine geradlinige Bestimmtheit in seinen Augen. Der weiß ganz genau was er tut! Verhandeln, bitten oder betteln sinnlos. Demütig aber nicht unterwürfig, dienend aber nicht dienstbar. Dieser Kerl verwirrt, verweigert und fordert heraus.

Seine Botschaft: Handle nach meinem Beispiel aber imitiere mich nicht! Bleibe authentisch, bleibe du selbst, dann darfst du eintreten in den Gründonnerstag, in das bittere Festmahl. Abbilder, Imitate, Reproduktionen müssen draußen bleiben – haben keinen Anteil an mir, keinen Zugang. No parasan!

Seine verlockende Frage lautet: Du bist ja ein Mann, erinnerst du dich noch? Wo ist deine Neugierde in dir drin vergraben? Hast du den Zugang schon frei gemacht? Schau mich an, wie ich vor dir knie! Sieh meine schmutzigen Händen, schmutzig von deinem Schmutz, vom Dreck der Erde.

Mach dir doch endlich selbst die Hände schmutzig! Raus aus der Komfortzone! Grab in deinem Dreck, leg den Zugang frei, du hast es in der Hand, selbst Hand anzulegen, nicht für dich selbst, sondern um deiner selbst willen!

Der Türsteher zum Gründonnerstag verspricht dir keine Erlösung, er zeigt in seinem Tun einen Weg zu deinem Wandel.

Begreift ihr, was ich an euch getan habe? Ihr sagt zu mir Meister und Herr und ihr nennt mich mit Recht so; denn ich bin es. Wenn nun ich, der Herr und Meister, euch die Füße gewaschen habe, dann müsst auch ihr einander die Füße waschen. Ich habe euch ein Beispiel gegeben, damit auch ihr so handelt, wie ich an euch gehandelt habe. (Joh 13,12-15)

Seine Aufforderung beinhaltet eine beinharte Selbsterforschung: Herrsche ich in meinem Herr-Sein? Belehre ich in meinem Meister-Sein?

Für jene, die sich um Jesus versammeln, muss das Dienen maßgeblich sein. Das ist oft mühsam, anstrengend und frustrierend. Jesus verlangt für seine Nachfolge, dass wir den Umweg gehen, nicht die gerade Strecke, den direkten Weg zum Ziel sondern die mäandernden Schleifen des Lebens.

Auf diesem Weg gibt er uns sich selbst als Stärkung, als Proviant mit. Der Zugang zum Platz am Abendmahl öffnet sich: Wir werden selbst in der Nachfolge zum Türsteher.

Und damit wandelt sich auch das Bild vom bedrohlichen Türsteher. Dieser dienende, sich selbst in seiner Herrlichkeit erniedrigende Mann, zeigt uns ein Bild von einer anderen Lebenswirklichkeit. Vielleicht einer Sehnsucht, die in uns Männern schlummert? Vielleicht einem Gegenbild, das in der gegenwärtigen Gesellschaft nicht akzeptiert ist, nicht mehrheitsfähig ist, dem wir aber durch unser konkretes Tun, durch unsere Wandlung, zur Wirklichkeit verhelfen können.

Der Türsteher wird zur Tür, zur Schwelle, zur Verheißung.

Zum Nachlesen: Johannes 13,1-15

Text: Wolfgang Schönleitner