2. Fastensonntag: Alles ist erleuchtet

Noch manchmal, wenn wir uns umarmten,

oft grundlos traurig, grundlos froh.

Einmal, als ich ein Mädchen hörte

in einer Kirche, irgendwo.

Als wir klitschnass am Waldrand hockten,

und ein Regenbogen stand.

Und wenn ich plötzlich Menschen mochte,

die ich zuvor noch nicht gekannt.

Wenn ich‘s vor Heimweh nicht mehr aushielt,

fuhr nachts zurück, um dich zu sehn.

In vielen Augenblicken dacht ich:

Vielleicht wird‘s nie wieder so schön,

vielleicht wird‘s nie wieder so schön.

(Gerhard Schöne)

Bildrechte: Twinlili_pixelio.de

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Wer kennt sie nicht, solche Augenblicke und das Gefühl: Vielleicht wird’s nie wieder so schön!?

 

Sicher, das Glück, den besonderen Augenblick kann man nicht einfrieren, konservieren und in Notzeiten dann wieder auftauen und aufbrühen wie Instant-Kaffee. Aber ich lebe von solchen Erfahrungen. Sie geben mir Kraft.

 

Eine solche einmalige Gipfelerfahrung machen auch die Freunde von Jesus. Auf diesem Gipfel bin ich selbst schon gestanden. Es ist der „Berg der Verklärung“, der Berg Tabor am Ostrand der Jesreel-Ebene in Galiläa. Der 588 Meter hohe Gipfel bietet eine sagenhafte Weitsicht. Von oben gesehen werden der Alltag und seine Probleme plötzlich so klein. Die Relationen verschieben sich – eine besondere Form von Glück.

 

Auf diesem Berg, so sagt die christliche Überlieferung, soll Jesus „verklärt“ worden sein. Jesus hat ein paar seiner Freunde dabei und er wird dort oben verwandelt zu einer Lichtgestalt. Mose und der Prophet Elija sind zu sehen. Ein überwältigendes, unfassbares Gipfeltreffen, ein unsagbares Glück des Glaubens: Sehen, was man sonst nur glauben kann! – Kein Wunder, dass Petrus das irgendwie konservieren möchte durch einen spontanen Hüttenbau für die Leute.

 

Ich kann ihn gut verstehen, denn Gipfelerlebnisse gewähren uns nicht nur Glück, sondern auch tiefe Einsichten und grundlegende Erfahrungen. Sie will ich erhalten. Sie sind wichtig, weil ich dadurch zu mir finden kann. Und sie geben mir Kraft, die Täler, den öden Alltag und manche Probleme zu bestehen.

 

Verklären“, das kann bedeuten: beschönigen und idealisieren. Das deutsche Wort kommt aber von „erhellen“ oder „erleuchten“. Gipfelerlebnisse erleuchten meinen Weg. Und das Evangelium gibt mir zwei Tipps mit: „Auf ihn sollt ihr hören!“, sagt die göttliche Stimme aus einer Wolke. Aber „als sie dann um sich blickten, sahen sie auf einmal niemand mehr bei sich außer Jesus.“

 

Einfach mal ich selber sein…, zu mir finden, das Glück finden, das geht meiner Erfahrung nach nicht so sehr durch permanente Gipfelerlebnisse, sondern durch ein tagtägliches, geduldiges, treues und mutiges Hinhören und Aufsehen auf Jesus, der ein Freund an unserer Seite sein will.

 

Zum Nachlesen: Markus 9,2-10

 

Matthias Walter